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Mit den Augen sprechen lernen

03.04.2014

Hegau-Jugendwerk beteiligt sich an Forschungsprojekt der Salomon Hochschule Berlin

Sie freuen sich über das Zustandekommen der Kooperation zwischen dem Hegau-Jugendwerk und der Alice Salomon Hochschule Berlin (v.l.n.r.) hinten: Dieter Cloos-Kiebel, Gabriele Schlicht-Steiner und Susanne Häberle, vorne: Claudia Nuß (ASH Berlin), Hegau-Jugendwerks Geschäftsführer Peter Fischer, Dr. Maxine Saborowski (ASH Berlin) und Rüdiger Becker. Bild: aj
Sie freuen sich über das Zustandekommen der Kooperation zwischen dem Hegau-Jugendwerk und der Alice Salomon Hochschule Berlin (v.l.n.r.) hinten: Dieter Cloos-Kiebel, Gabriele Schlicht-Steiner und Susanne Häberle, vorne: Claudia Nuß (ASH Berlin), Hegau-Jugendwerks Geschäftsführer Peter Fischer, Dr. Maxine Saborowski (ASH Berlin) und Rüdiger Becker. Bild: aj
Test der Augensteuerung

(Gailingen). Die bundesweit anerkannt gute Arbeit des Hegau-Jugendwerks (HJW) in der Rehabilitation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit neurologischen Erkrankungen führte nun zur Kooperation mit der renommierten Alice Salomon Hochschule Berlin. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde am 1. April durch HJW-Geschäftsführer Peter Fischer und der Wissenschaftlerin Dr. Maxine Saborowski als Vertreterin der Hochschule unterzeichnet.

Die Hochschule hatte das Hegau-Jugendwerk als Partner für ein Forschungsprojekt in der Unterstützten Kommunikation angefragt. Die Unterstützte Kommunikation (UK) hat im Hegau-Jugendwerk eine lange Tradition und ist ein wesentlicher Bestandteil in der Patientenversorgung. Die mittlerweile sieben Mitarbeiter dieses Bereichs verfügen über spezielle und langjährige Erfahrungen gerade in der frühen Rehaphase der Patienten, also vor dem Hintergrund der unmittelbaren Folgen der Erkrankungen. „So eine Expertise findet man nicht überall“, freut sich Saborowski über das Zustandekommen der Kooperation. Das Forschungsprojekt will Anwender und Entwickler zusammen bringen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Eyetrack4all“, bei welchem die Alice Salomon Hochschule gemeinsam mit einem spezialisierten IT-Unternehmen, der brandenburgische Firma alea technologies, die Kommunikation mittels Augensteuerung für Menschen mit schweren Handicaps entwickeln und verbessern will, ist auf drei Jahre angelegt. Die praktischen Erfahrungen aus dem Alltag steuert das UK-Team des Hegau-Jugendwerks bei.

Das Hegau-Jugendwerk bietet schon seit über 20 Jahren innerhalb eines stationären Aufenthalts die Abklärung von Kommunikationsmöglichkeiten an, angefangen von Blickkontakt über Gebärden und Symboltafeln bis hin zu elektronischen Kommunikationshilfsmitteln. Doch die Praxis zeigt, dass die Patienten immer schwerer beeinträchtig sind, erklärt Rüdiger Becker, Sonderschulrektor der HJW-Krankenhausschule Wilhelm Bläsig. Die Unterstützte Kommunikation wird damit immer bedeutender und neue Möglichkeiten müssen gesucht und gefunden werden.

Denn bei vielen Rehabilitanden ist die Sprachbeeinträchtigung durch weitere, beispielsweise motorische, Einschränkungen begleitet. Ihnen ist es oft nicht möglich, durch gezieltes Drücken eines Tasters oder durch eine genaue Feldauswahl auf einem Touchscreen Mitteilungen zu tätigen oder ihre Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken. Für diese schwer beeinträchtigten Patienten bietet die Augensteuerung, also die Bedienung einer elektronischen Hilfe durch die Augen, die einzige Möglichkeit zur Kommunikation. Sie lassen sozusagen „ihre Augen sprechen“. Durch das Umsetzen von Augen- in Mausbewegungen können so Texte verfasst oder bestimmte Symbole zur Kommunikation auf dem Computerbildschirm ausgelöst werden. Damit können sich die Betroffenen aus der Isolation des Nichtkommunizierens lösen, erklärt Fischer.

Da das technische Equipement für die Augensteuerung sehr teuer ist, ist das Hegau-Jugendwerk froh dank der Kooperation mit der Berliner Hochschule eine solche Augensteuerung längerfristig vor Ort zu haben, um gemeinsam mit den entsprechenden Rehabilitanden ihre Kommunikationsmöglichkeiten umfassend austesten und optimieren zu können, erklärt Susanne Häberle, Leiterin des UK-Teams des HJW. Die Unterstützte Kommunikation ist im Hegau-Jugendwerk bei der Wilhelm-Bläsig-Schule angesiedelt, sie wird aber als eine interdisziplinäre Aufgabe verstanden.

 
 
 

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